Zum Beginn des neuen Schuljahrs luden die Pfarreien der PG Würzburg Ost zum gemeinsamen Gottesdienst an der Bühne im neuen Stadtteil Hubland ein. Bewusst sollte es eine Feier der Begegnung werden zwischen denen, die im Hubland ein neues Zuhause gefunden haben, und denen, die in den "klassischen Gemeinden" ULF, St. Barbara und Gerbrunn mitunter seit Kindestagen verwurzelt sind. Die geographische Lage des neuen Stadtteil gab die Überschrift vor: "Wo Himmel und Erde sich berühren." Mit einem großen Spiegel und vielen kleinen Handspiegel für die anwesenden Kinder machten Pastoralreferentin Lisa Hippe und Antonia Rudingsdorfer die Mitfeiernden sensibel für ihre eigene Verwurzelung auf der Erde, in ihrer Persönlichkeit und in der Gemeinschaft mit anderen Menschen, aber auch für ihre Fähigkeit, in den Himmel zu schauen und mit Gott in Verbindung zu treten. Eva Adami und Stefanie Dinkel-Lämmle führten die Gedanken weiter in der Deutung eines Baumes, der als Symbol den Gottesdienst begleitete, und luden die Gläubigen ein, auf ausgeteilten Blütenblättern Wünsche, Hoffnungen und Bitten zu notiere, was in ihrem Leben und in ihrer Nachbarschaft wachsen soll. Pfarrer Sven Johannsen lud in der Predigt ein, sich an die Anschriften zu erinnern, die den eigenen Lebensweg bisher markiert haben. Jede Straße, Hausnummer und Ortsangabe ist mehr als ein Verwaltungsvermerk. Die Anschrift wird zum Zuhause, das den Raum gibt, das eigene Leben zu entfalten, aber auch Menschen einzuladen und einander zu begegnen. Mit der Anschrift gehören Menschen auch zu einem Stadtteil, Dorf und einer Pfarrgemeinde, die die Chance bieten, in Gruppen und Kreisen Anschluss zu finden: Pastoralreferent Felix Lamprecht führte den Gedanken weiter und erläuterte anhand des Baumes den Weg vom Bauen zum Wachsen. Mit dem Zuzug hat die Heimatfindung nicht ihren Abschluss gefunden, sondern einen Wachstumsprozess in Gang gesetzt. Nicht alle Wünsche und Hoffnungen werden erfüllt, aber die Geduld, die wachsen lässt, kann zu einem erfüllten und gelingenden Leben miteinander führen. In den Fürbitten, die auf die Blütenblätter geschrieben wurden, richteten die Bewohner der verschiedenen Stadtteile und Orte die Hoffnung an Gott, dass unter ihnen Frieden und Gemeinsinn blühen möge und ihre Lebensräume allen Menschen zur Heimat werden.
Musikalisch gestaltete Heilichs Blechle den Gottesdienst und gab ein gutes Beispiel ihres Könnens.
Am Ende des Gottesdienstes lud Andreas Zipf zur Begegnung ein. Ehrenamtliche aus den Gemeinden sorgten für Kaffee und Kuchen, Grillgut und Getränke. Kirstian Hilpert organisierte die Bewirtung für die vielen Gäste, die noch lange blieben Es gab rege Unterhalten zwischen "Alteingesessenen" und "Neuzugezogenen". Am Ende waren viele Ehrenamtliche und Mitfeiernde überzeugt, dass diese Idee vom gemeinsamen Gottesdienst weitergeführt und auf alle Gemeinden der PG ausgeweitet werden sollte.
Kirchlich gehört der Stadtteil Hubland zu St. Barbara, liegt aber schulisch auch an der Berührungslinie zwischen dem Mönchberg und Gerbrunn. Die Pfarrkirche Unsere Liebe Frau ist für viele Familien aus dem Hubland bisher erste Anlaufstelle für Kinderkirche, Taufen und Erstkommunionvorbereitung. So überwindet der neue Stadtteil von sich aus die festen Grenzziehungen der Pfarreien und verbindet Menschen im Glauben.
Ein herzliches Vergelt's Gott allen ehrenamtlichen Helfen, Küster, Musiker und Ministranten.
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Predigt Hublandgottesdienst „Da berühren sich Himmel und Erde“
Lesung: 1 Kor 3,9c-11 („Ihr seid Gottes Bau ...“) -
Evangelium: Gleichnis vom Senfkorn
1. Teil: „Eine neue Anschrift“
Liebe Schwestern und Brüder
Klettenberg in Kitzingen, Domerschulstraße in Würzburg, Ca`di David in Verona, Domerpfarrgasse in Würzburg, Hofackerstraße in Freiburg, Bodelschwinghstraße in Karlstadt, Hauptstraße in Bad Brückenau, Kirchplatz in Bad Brückenau, Vorstadtstraße in Lohr, Kleine Kirchgasse in Lohr, Huttenstraße in Würzburg - das Dutzend wird sicher noch voll. Alle Straßennamen sind Anschriften, die ich in 55 Lebensjahren mit meinem Zuhause zumindest für einige Zeit verbinde. Mancher wird über die Liste müde lächeln und weit mehr und beeindruckendere Adressen aufzählen können, Andere werden sich wundern und dankbar sein, dass sie sich seit Lebensbeginn nur eine Anschrift merken mussten. Mit dem ersten Tag unserer Geburt haben wir, so wir nicht auf der Flucht geboren wurden, eine Straße, eine Hausnummer, eine Postleitzahl und einen Ort, die dem Namen geben, was wir unser Zuhause nennen. Die Adresse verrät einiges über unsere Identität: Sie verweist auf bestimmte Lebenssituationen, wenn andere sie z.B. als Anschrift eines Senioren- oder Studentenheims erkennen. Sie gibt Auskunft über unsere Lebensverhältnisse, wenn sie im Villen- oder Hypothekenviertel einer Stadt verortet ist. Sie lässt ahnen, ob wir lieber als Großstadt-Neurotiker oder Landeier leben, auch wenn das manchmal aus bestimmten Zwängen so vorgegeben ist. Sind Sie mit ihrer Anschrift schon in Einklang?
Manche Straßen im neuen Stadtteil Hubland sind einfach den Örtlichkeiten geschuldet: Am Alten Flugfeld, Hublandplatz, Am Terrassenpark, Skyline-Hill-Straße. Andere Straßen ehren Kulturschaffende, PolitikerInnen WissenschaftleIinnen und Gelehrte, deren Bedeutung sich vielleicht nicht jedem Bewohner sofort erschließt wie die Magdalene-Schoch-Straße und die Landsteinerstraße. Oder aber es ziehen sich Straßen durch das neue Stadtviertel, die schon da waren, bevor der große Boom einsetze: die Rottendorferstraße und die Straße Am Galgenberg. Vielleicht mussten Sie zunächst einmal bei Wikipedia nachschauen, was der Namensgeber ihrer neuen Beheimatung geleistet hat. Alteingesessene Frauenländer ärgern sich dagegen über die Umbenennung ihrer Straßennamen, an die sie sich über viele Jahrzehnte gewöhnt hatten, die aber heute nicht mehr vertretbar sind. Ob sie uns gefällt oder nicht, hat jede Anschrift doch Bedeutung für uns, die auch mit christlichen Grundhaltungen verbunden ist:
Sie markiert, dass wir ein Zuhause gefunden haben;
Sie erlaubt mir Begegnungen;
Sie verortet mich in einer Gemeinschaft.
Ich habe eine Anschrift, die ich ins Navi eingeben kann und die dort gespeichert wird unter dem Stichwort „Zuhause“. Mein Zuhause ist mein Lebensraum, den ich nach meinen Vorstellungen gestalte. Wer hier eintritt, nimmt an Möbel, Farben und Bildern meine Vorstellung von Leben wahr: romantisch, kuschelig, chaotisch, nüchtern, barock, extra modern… Ob ich ein ganzes Leben hier verbringe oder nur eine bestimmte Zeitphase, hier gehöre ich hin und hier drücke ich mich aus. Hier lebe ich so, wie ich mich entfalten möchte. Vielleicht musste ich ein großes Haus verlassen und bin jetzt in eine kleine Wohnung gezogen. Dann habe ich bewusst ausgewählt, was aus meinem bisherigen Leben bleiben soll. Oder aber ich habe die Studentenbude aufgegeben, die Ikea-Regale zusammengelegt und meine vier Wände ganz neu geplant. Schon mit dem ersten Schritt können Menschen Zugang zu mir finden. Ich brauche einen Ort, eine Heimat, in der mitunter auch meine Kinder groß werden sollen, wo ich wirklich einen Alltag, Rituale und Traditionen für mein Leben aufbaue. Es ist die Übersetzung des Schöpfungsauftrages am Anfang der Bibel in die kleine Welt meines Lebens. Auch hier muss ich darauf achten, dass Leben möglich ist und Verantwortung übernehmen für alles, was lebt: Mensch, Tier, Natur. Der Apostel mahnt: Bleibt niemanden etwas schuldig; nur die Liebe schuldet ihr einander immer. Zuhause ist der Ort, wo Liebe im Übermaß gelebt werden kann.
Wir bauen Häuser und ziehen in Wohnungen mit Türen, aber wir errichten keine Festungen mit Zugtoren. Eine Anschrift zu haben, gibt mir die Möglichkeit, sie weiterzugeben und einzuladen. So sehr ein Zuhause Rückzugsort ist, es darf kein Hochsicherheitstrakt werden, in dem ich mich vor anderen verschließe. Der Apostel ermutigt: „Seid fröhlich in der Hoffnung, geduldig in der Bedrängnis, beharrlich im Gebet! Helft den Heiligen, wenn sie in Not sind; gewährt jederzeit Gastfreundschaft!“ Werdet nicht misstrauisch, geizig oder egoistisch. Geht über oberflächliche Höflichkeit hinaus und wagt die Begegnung. Das erst macht das Leben reich. Nicht jeder Nachbar wird ein Freund, aber viele Freunde warten unter denen, die neben mir wohnen.
Und schließlich ordnet mich die Anschrift einem Ort, einem Stadtteil und einer Pfarrei zu. Das scheint ein Verwaltungsakt zu sein, kann aber auch neugierig machen, welche Strukturen, Angebote, Gruppen schon da sind, in denen ich mich einbringen und verwurzeln kann. Über den Gartenzaun blicken und mitbauen, dass dieser neue Stadtteil Hubland und unsere alten Viertel und Dörfer Gerbrunn, Frauenland, Heimgarten und Mönchberg menschlich und lebenswert bleiben. Dazu gehört auch, sich einzubringen in den politischen und gesellschaftlichen Diskurs, wenn Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung um sich greifen und aufzustehen, wo die Würde des Menschen am Rande bedroht oder angegriffen wird. Wir können nicht friedlich leben, wenn Menschen gemobbt und angefeindet werden in unserem unmittelbaren Umfeld. In menschlichen Gemeinschaften werden Populisten und Hetzer keinen Platz haben. Jeremia hat es vor 2500 Jahren schon erkannt: „Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum Herrn; denn wenn’s ihr wohl geht, so geht’s euch auch wohl.“ (Jer 29,7)
In einem geistlichen Lied, das wir oft in meiner Jugend gesungen haben, klingt die geistliche Aufgabe der Beheimatung an, die auch ein Wunsch für alle sein kann, die hier im Stadtteil Hubland einen neuen Anfang setzen: „Komm, bau ein Haus, das uns beschützt, pflanz einen Baum, der Schatten wirft, und beschreibe den Himmel, der uns blüht, … dann wird die Freude wachsen, weil unser Leben Kreise zieht.“ Sven Johannsen, Pfr.
2. Teil Wachsen (Baum/Senfkorn):
Hausbau im Gegensatz zum Pflanzen: Ein Hausbau wird geplant. Baupläne, Material muss herangeschafft werden; Handwerker, die entsprechend dem Plan bauen. Es gibt dazu Zeitpläne. Und dann - wenn alles gut läuft - steht nach einiger Zeit das Haus wie es geplant war.
Hier steht unser noch junger Baum. Ich denke, er wird bereits etwa 2-3 Jahre (?) alt sein. In meinem Garten habe ich selber letzten Herbst und in diesem Frühjahr auch jeweils einen Apfelbaum gepflanzt. Jetzt heißt es warten. Es gibt keinen Zeitplan. Das heißt Geduld und Vorfreude haben. Es wird Zeit brauchen, bis die ersten Äpfel kommen. Und Warten heißt auch, dass man nicht viel tun muss. Man muss kein Material wie beim Bau heranschaffen, damit der Baum größer wird. Das Wachsen ist ein Geschenk.
Natürlich, man muss auch gießen, gerade jetzt im vergangenem heißen Sommer. Was wir wachsen oder säen, ist eben gefährdet. Nicht nur durch Trockenheit, vielleicht auch durch Krankheiten. Und dann wachsen auch noch andere Dinge, die gar nicht geplant waren: Unkräuter usw.
Ich denke, Sie alle werden auch diese Erfahrungen machen, wenn Sie irgendwo auch etwas ausgesät oder gepflanzt hatten, seien es auch Bäume wie diesen hier, oder Balkonkästen, oder Gärten angelegt haben wie hier hinter der Bühne.
Wir haben unsere Vorstellungen, vielleicht sogar einen Pflanzplan. Aber sie unterscheiden sich von einem Bauplan. Beim Pflanzen und Säen wissen wir nicht genau, wie es mal werden wird: Was geht an, was wird groß, und was verkümmert wieder. Oder was wächst, womit wir gar nicht gerechnet hatten.
Es wachsen in einem neuen Stadtteil wie hier am Hubland nicht nur die Bäume und Pflanzen, sondern auch andere Dinge: Nachbarschaft, Begegnungen, Beziehungen, Vertrauen, Freundschaften. Es wächst das Klima zwischen den Menschen.
Der Begriff „Wachsen“ passt dafür. Man kann Beziehungen oder Freundschaften nicht bauen. Sie beginnen klein wie eine kleine Pflanze oder als noch kleineres Samenkorn: Ein kurzer Gruß im Treppenhaus. Ein Gespräch über den Balkon. Die Einladung zum Kaffee. Das alles wirkt klein. Aber so beginnt auch dieses Wachstum. Und wir dürfen dem Wachstum Zeit geben.
Und wie nicht jedes Samenkorn aufgeht, wissen wir: Wir können Menschen ansprechen – und trotzdem entsteht daraus keine Freundschaft. Wir können versuchen, Gemeinschaft zu schaffen – und manches bleibt vielleicht ohne sichtbare Wirkung. Auch das gehört zum Wachsen dazu.
Das mag ernüchternd klingen, kann aber auch Gelassenheit bewirken. Ich denke, dass dies Jesus mit dem Gleichnis vom Senfkorn meint. An manchen Stellen spricht Jesus vom Bauen; heute im Evangelium spricht er vom Wachsen. Das Senfkorn ist sehr klein, aber es kann zu einem riesigen Baum heranwachsen. Damit sagt er:
Nicht alles muss sofort groß sein. Man kann gelassen sein, es kann aus etwas Kleinem etwas Großes werden. Wir können den Boden bereiten, wir können den Samen aussäen: Wir können einander ansprechen, Orte der Begegnung schaffen, Veranstaltungen organisieren. Das Wachsen an sich bleibt ein Geschenk. Was daraus wird, wissen wir nicht. Wir sind nicht untätig, aber wir müssen auch nicht die Macher von allem sein.
Aber wenn das Senfkorn wächst, dann wächst es - sagt Jesus in seinem Gleichnis. Es wächst aus der Erde nach oben, es wird hoch, es bietet neuen Lebensraum für die Vögel, es wächst dem Himmel entgegen. Solch ein Baum verbindet Himmel und Erde. Solch ein Baum lässt Himmel und Erde berühren. Ein schönes Bild für das, was entstehen kann.
Wir haben unsere Hoffnungen, Erwartungen. Dieser Baum hier ist gesetzt, noch jung. Unsere Hoffnung ist, dass er noch wachsen. Was wir Hoffen, was wir uns wünschen, das dürfen wir mit diesem Baum verbinden: Vielleicht, dass jeder an seinem Wohnort auch ein Zuhause findet, dass man nicht nur eine Adresse mit Straßennamen hat, sondern dort auch Wurzeln schlagen und in den Himmel wachsen kann. Und dabei dürfen wir das Vertrauen und Gelassenheit haben, dass Gott wachsen lässt, das Wachsen uns schenkt.
Felix Lamprecht, Pastoralreferent




























































































