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Lebensthema eines Journalisten: Eberhard Schellenberger erzählt in ULF

Würzburg Frauenland - Unsere Liebe Frau
Autor und Journalist stellt sein Buch "Deckname Antenne" vor

„Es war die schönste Reportage meines Journalistenlebens“, so fasst Eberhard Schellenberger die Nacht auf den 3. Oktober 1990 zusammen. Mit dem Team des BR berichtete er live von der Feier zur Wiedervereinigung am ehemaligen Grenzübergang Eußenhausen-Meinigen. 12.000 Menschen kamen in dieser Nacht zusammen, um den ersten Tag der deutschen Einheit mitzuerleben, an dem die Geltung des Grundgesetzes auch auf die neuen Bundesländer ausgeweitet wurde. Zahlreiche Grenzübergänge an diesem Ort hatte Schellenberger bis dahin schon hinter sich gebracht. Aus den 60ger Jahren rührte eine Freundschaft mit einer Familie in der Lausitz. Als Redakteur des BR konnte er zu Reportagen nach Dresden und Erfurt reisen. In den letzten Jahren der DDR wuchs die Städtepartnerschaft zwischen Würzburg und Suhl, die der Journalist mit seiner Berichterstattung begleitete. Er erlebte die schikanösen Kontrollen, wurde abgehört und musste später erfahren, dass schon seit vielen Jahren über ihn eine Akte „Antenne“ von der Stasi in Suhl geführt wurde. Bürgerrechtler wiesen ihn nach dem Sturz des alten Regimes daraufhin, dass sein Name in verschiedenen Dokumenten mit einer Nummer geführt wurde, die auf eine detaillierte Überwachung hinwiesen. Spitzel der Stasi waren in Reisegruppen aus dem Westen, in Hotels oder „Abschnittsbevollmächtigte“ in Wohnviertel auf ihn angesetzt. Enttäuschend war die Entdeckung, dass Menschen, die sich als Vertraute ausgaben, als „inoffizielle Mitarbeiter“ tätig waren. „Stasi bespitzelt Stasi“, so beschrieb Schellenberger die absurden Verhältnisse in den letzten Jahren der DDR. Immer wieder sucht er den Kontakt zu „normalen“ Menschen in Suhl oder Dresden, muss aber auch erleben, dass auch in diesen Situationen der Staat mithört. Fesselnd nahm der langjährige Leiter des Studios Mainfranken die Zuhörer im Pfarrsaal von ULF mit auf seine teilweisen abenteuerlichen Erlebnisse zwischen den beiden deutschen Staaten. Viele Erinnerungen wurden auch bei den Besuchern lebendig. Schellenberger erzählte von einer ersten Sendung von der Grenze im Grabfeld. Tagelang erneuerten Grenzsoldaten die Befestigungen. Im Augenblick des Sendebeginns waren alle militärischen Geräte weggebracht und sechs Traktoren zogen auf, um die „landwirtschaftlichen Erfolge“ des Sozialismus zu präsentieren. Nach einer Berichterstattung über das Bürgergespräch des Suhler Bürgermeisters in Würzburg konnten vier Familien die ostdeutsche Stadt verlassen, die teilweise schon seit Jahren auf ihre Ausreise warteten. 
Der Buchautor machte aber auch klar, welches Schreckensszenario möglich gewesen wäre, wenn Nato und Warschauer Pakt in einen militärischen Konflikt geraten wäre. Das Mellrichstadt und sein Umfeld wären dann zu einem wichtigen Stützpunkt geworden, um das Vorwärtskommen von Panzern aufzuhalten. „Die Dörfer hätten gebrannt.“ Am Ende betonte Eberhard Schellenberger, wie dankbar wir auch heute sein können, dass die friedliche Revolution einen solchen Umsturz möglich gemacht hat und es nicht zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kam. 
Michael Eberlein bedankte sich im Namen der Pfarrei ULF für den lebendigen und mitreißenden Vortrag. Schellenberger signierte schließlich noch einige Bücher und konnte in Nachgespräche die positive Resonanz der Zuhörer mitnehmen. 
Ein bewegender Abend mit einem Augenzeugen der historischen Ereignisse, die unser Land so sehr geprägt haben.