Gedanken zu den Fensterbildern in der Kapelle St. Barbara
Seit dem 1. Advent 2025 hat die Pfarrgemeinde St. Barbara wieder einen Raum für Ihre Gottesdienste. Nach der Abgabe der Pfarrkirche an die rumänisch-orthodoxe Gemeinde fanden die Sonntagsgottesdienste für einige Monate im Pfarrsaal statt. Nun gibt es eine neu eingerichtete Kapelle in den ehemaligen Büroräumen. Der langjährige Kunstreferent der Diözese Würzburg, Dr. Jürgen Lenssen, gestaltete einen atmosphärisch dichten Raum, der Gemeinde wieder ein geistliches Zuhause bietet. Er schuf dafür neue liturgische Gegenstände und entwarf zwei Glasfenster, die viele Gottesdienstbesucher zum Nachdenken anregen. Jürgen Lenssen geht in der Regel nicht auf die Frage nach der Botschaft ein mit dem Argument: „Ich bin Künstler und nicht Schriftsteller.“ Im Gottesdienst zur Segnung der Kapelle gab er aber einen kleinen Hinweis, der zum Schlüssel des Verständnisses werden kann. Er deutete die beiden Händen in den Bilder als Symbol für den betenden Menschen, der sich nach Gott ausstreckt. Es ist anzunehmen, dass ihm dabei die Worte des
143. Psalms inspirierten, in dem es heißt:
„Zu dir strecke ich meine Hände empor im Gebet. Wie ausgedörrtes Land nach Regen lechzt, so warte ich sehnsüchtig auf dein Eingreifen“.
Der graue Hintergrund, der die beiden Fenstern im unteren Teil durchzieht, steht dann für ein Leben, das routiniert und öd geworden ist. Die Welt kann zur Wüste werden, wenn wir uns in alltäglichen Sorgen und Arbeiten verlieren. Wo kommt Sinn her? Wo entdecke ich eine Perspektive nach vorne? Wonach kann ich mich ausstrecken? Der Beter reißt die Hände zum Sonnenlicht empor. Wir kennen nur noch vom Priester die ausgebreiteten Hände als Gebetshaltung. Für die frühen Christen war die sog. „Oranten-Haltung“ die gängige Form: flehentliches Bitten und empfangende Offenheit verbindet sich in ihr. Die verzerrt wirkenden Hände sind mehr als der Ausdruck von Bedürftigkeit. In ihnen bricht sich die Sehnsucht nach wahrem Leben Bahn: „Zeig mir den Weg, den ich gehen soll; / denn ich erhebe meine Seele zu dir."
Wonach streckt sich der Beter aus? Es scheint eine einfache Darstellung der Sonne zu sein, die sich in den beiden oberen Ecken strahlend ausbreitet. Aber die Farben Gelb und Gold haben in der Kunstgeschichte auch immer einen Hinweis auf Gott und seine Ewigkeit enthalten. Das Bild von der Sonne für die Wärme der Liebe Gottes ist uns seit Kindestagen vertraut. Die Strahlen bleiben aber ein wenig entzogen. Der Beter wird nicht geblendet von der Gegenwart Gottes. Der Himmel überflutet ihn nicht. Im Kontext marianischer Frömmigkeit sprechen wir gerne vom Gnadentau, der vom Himmel kommt. Es ist kein Meer der Liebe Gottes, in dem der Mensch ertrinkt. Oft genug bleibt das Grau die Wirklichkeit menschlichen Lebens, aber es wird immer auch berührt von der Zuwendung Gottes, der die Erde in der Menschwerdung seines Sohnes zu seinem Festsaal gemacht hat. Wer Glauben hat, sieht die Welt in einem anderen Licht, so das strahlenden Gelb im Scheitel der Fensterbilder.
Nach außen hin, leicht verschwebend wirkend, streckt sich das Grün der Hoffnung, auch gut als blühende Schöpfung zu deuten. Paulus sagt uns, dass wir schon gerettet sind, aber in der Hoffnung. Papst Benedikt hat einmal gesagt: „Hoffnung streckt sich in der Wirklichkeit aus nach einem Kommenden. Sie ist gleichsam der Flügel des Glaubens, mit dem aus dem Bekenntnis das Vertrauen wird. Wir können nicht ohne die Hoffnung glauben.“ Und er beschreibt unser Situation: „Wir hoffen mit dem Rücken zur Zukunft.“ Wir träumen uns nicht eine bessere Welt oder betrachten unser Leben durch eine rosarote Brille. Auf der grauen Erde machen wir Erfahrungen, die uns sicher machen, dass Gott uns nicht im Stich lässt.
Die Basis wird gebildet von einem roten Fundament, vielleicht das Doppelgebot der Liebe. Wer Gott liebt, kann das nur, wenn er auch die Menschen liebt. Wer sich von Gott geliebt weiß, kann sich ohne Angst verschenken. Gott hat uns zuerst geliebt, so können auch wir die Menschen lieben.
Die neuen Fenster in St. Barbara können eine Grundbotschaft des Apostels Paulus ins Bild bringen: „Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe.“ Eine große Ermutigung, die wir in jeder Eucharistiefeier, in der sich Himmel und Erde berühren, erfahren dürfen. (Sven Johannsen)

