header

Dass es in unserer Zeit so etwas überhaupt noch gibt!

Da ist ein Verein in Gerbrunn, dessen Jahresetat 2019 mit 1.049.328 Euro abschließt. Der Vorstand des Vereins arbeitet ganz und gar ehrenamtlich, bekommt ein paar Euro als Ehrenamtspauschale und trägt die Verantwortung dafür, dass der Betrieb läuft, immer genug Personal vorhanden ist und überdies die Kasse stimmt.
Die Rede ist vom St. Nikolaus-Verein, dem Träger des Katholischen Kindergartens in der Hauptstraße und am Schulweg (ehem. Pfarrhaus).
Am 26.5.2020 hatte er seine Jahreshauptversammlung, von den momentan 99 Mitgliedern (rückläufige Tendenz, 30 Euro Jahresbeitrag) waren 14 gekommen. Seit 100 Jahren gibt es diesen Verein. 1920, also kurz nach dem 1.Weltkrieg, wurde er von einer Handvoll Gerbrunner Katholiken gegründet, die in der St. Nikolaus-Pfarrei eine „Kinderbewahranstalt“ einrichten wollten. Ein bemerkenswertes Beispiel einer mutigen Bürgerinitiative (das Wort gab es noch gar nicht) in schwieriger Zeit. (Was in diesen 100 Jahren alles geschehen ist, das wird bei einer wegen der Corona-Pandemie auf den Herbst/Winter 2020/21 verschobenen Jubiläumsfeier ausführlich und anschaulich zur Sprache kommen).
Seit 2012 ist Ralf Bock der 1.Vorsitzende, er trat damals nach Günter Seufert ein wohlgeordnetes Erbe an. Bock gab den Vereinsmitgliedern einen umfassenden Einblick in die Vorstandsgeschäfte: Angesichts der 138 Kinder war stets genug qualifiziertes Personal zu gewinnen (für etwa zehn Kinder ist eine Erzieherin bzw. Kinderpflegerin zuständig).Die komplette Neuverkabelung der Telefon- und IT-Leitungen musste organisiert werden. Es galt, den Kindergarten als eine „attraktive Arbeitsstelle für interessierte Bewerberinnen zu präsentieren“ (Bock: „Die Personalsuche wird immer schwieriger und Nerven aufreibender“). Zahlreich angebotene Fortbildungsangebote wurden von den Mitarbeiterinnen genutzt, um die wertvolle pädagogische, der christlichen Zielsetzung des Kindergartens dienende Arbeit leisten zu können. Die Kindergartenleitung, Frau Angela Scholz, war dabei zu unterstützen, eine für alle Beteiligten – Kinder, Erzieherinnen, Eltern, Vereinsvorstand- möglichst störungsfreie, konstruktive Atmosphäre zu schaffen. Das 100-jährige Vereinsjubiläum musste geplant werden. Durch die umsichtige Beachtung der finanziellen Möglichkeiten und Grenzen sei es, so der Vorsitzende, auch in 2019 (wie in den Vorjahren) nicht notwendig gewesen, die zugesagte evtl. Defizitübernahme seitens der politischen Gemeinde in Anspruch zu nehmen. Allerdings sei eine Erweiterung des Kindergartens um weitere Gruppen ( es werden zusätzliche Kiga-Plätze in Gerbrunn geschaffen werden müssen) für ihn nicht vorstellbar.
Ralf Bock dankte allen, die auch im 100. Jahr nach der Vereinsgründung zum Gelingen des unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten mit einem mittelständischen Unternehmen vergleichbaren Betriebs „Kindergarten“ beigetragen haben: Der Leiterin Angela Scholz und ihren 25 Mitarbeiterinnen für ihre „zielführende, herzliche Zusammenarbeit“; dem Elternbeirat für seine konstruktive Mitarbeit, zumal beim Sandaustausch und beim Kindergartenfest im Sommer; der Gemeinde Gerbrunn – bei der Versammlung vertreten durch die Bürgermeister Wolfshörndl und Kies – für ihre wohlwollende Unterstützung; der Kirchenverwaltung St. Nikolaus – vertreten durch Diakon Volker Held- für ihr Interesse und ihre Aufgeschlossenheit gegenüber dem Kindergarten der Pfarrei; den stets ansprechbaren Männern des Gemeindebauhofs um Christian Huttner; auch den Spendern dankte der Vorsitzende, die teilweise durch beträchtliche Summen die Arbeit des Vorstands erleichtert haben.
Kassier Björn Netscher legte den Kassenbericht für 2019 vor: Der Nikolausverein nahm 3.160 Euro an Beiträgen ein. Spenden in Höhe von 9.000 Euro kamen dazu. Die Caritas leistete einen Zuschuss von 11.000 Euro. Die Elternbeiträge für den Kindergartenbetrieb betrugen 120.600 Euro (sie liegen im Landkreis-Vergleich im unteren Bereich), die staatliche Förderung unter genauer Beachtung des BayKiBiG 771.000 Euro. An Lohn wurden 950.000 Euro gezahlt. Ausgaben für Essen, Fortbildung, Reinigung, Reparaturen etc. machten weitere 100.000 Euro aus. Der St. Nikolaus-Verein hat durch die eigene sparsame Bewirtschaftung und die sorgfältige Beachtung der BayKiBiG-Vorschriften eine angemessene, den gesetzlichen Rahmen beachtende finanzielle Rücklage. Sie ermöglicht es, evtl. fällige, aufwendige Reparaturen (in einem vor Jahrzehnten gebauten Gebäude) bezahlen zu können. Auch die Lohnzahlungen sind bei einer evtl. verzögerten Zahlung der staatlichen Mittel für einige Monate gesichert. Zudem erlaubt es die Rücklage, ohne Probleme (erfreuliche) Schwangerschaftsvertretungen finanzieren zu können. Fazit: Der Vorstand des Vereins leistet eine solide, sehr verantwortungsvolle Arbeit im Interesse der Gerbrunner Kinder! Dafür ist ihm mit Nachdruck zu danken. Verabschiedet und herzlich gedankt wurde in der Jahreshauptversammlung den beiden langjährigen Kassenrevisoren Gabriela Gottwald und Reinhard Kies.
Neu gewählt wurden Rainer Zepke und Rüdiger Horn.

­